Angesichts der gleichen Herausforderungen, mit denen viele Nationen mit einer schrumpfenden nationalen Handelsmarine konfrontiert sind, schlägt der Verband Deutscher Reeder (VDR) einen neuen Ansatz vor, um den jüngsten Trend fortzusetzen, der bei der steigenden Zahl junger Menschen, die in den maritimen Beruf eintreten, zu beobachten ist. Auf seiner jährlichen Veranstaltung in Hamburg schlug der Verein vor, den Seedienst in der Handelsmarine als Option innerhalb des freiwilligen Wehrdienstes und als Alternative für den Fall einer künftigen Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland zu ermöglichen.
„Der Iran-Krieg zeigt, wie eng geopolitische Konflikte und globale Lieferketten miteinander verknüpft sind“, sagte VDR-Präsidentin Gaby Bornheim. „Etwa zwei Drittel unseres Außenhandels werden über den Seeweg abgewickelt. Für ein Exportland wie Deutschland ist der Schutz der Handelsmarine daher von strategischer Bedeutung.“
Der VDR berichtet, dass immer mehr junge Menschen in den Beruf einsteigen und die Einschreibungszahlen den höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt erreicht haben. Der VDR berichtet, dass die Zahl der Rekruten auf See seit 2023 von 418 auf 537 gestiegen ist. Das ist ein Anstieg von fast 30 Prozent und der höchste Wert seit 2012. Darin wird hervorgehoben, dass dazu sowohl nautische Offiziers- und technische Berufe als auch die Ausbildung zum Schiffsingenieur gehören.
Sie weisen darauf hin, dass die Erhöhung der Zahl junger Seeleute eine wesentliche Voraussetzung für den Erhalt und das Wachstum der deutschen Handelsmarine sei. Deutschland hat nach Schätzungen des VDR 1.716 Schiffe im Register, was 46,7 Millionen Bruttoregistertonnen entspricht. Darin heißt es, dass Deutschland hinter Ländern wie China und Griechenland über die siebtgrößte Handelsflotte verfügt. Allein in der Containerschifffahrt verweisen sie darauf, dass Deutschland mit 30,4 Millionen Bruttotonnen China als zweitgrößtes Land überholt habe. Die Schweiz (Heimat von MSC Mediterranean Shipping) ist mit 41,2 Millionen Bruttotonnen die größte.
Martin Kröger, Geschäftsführer des VDR, ergänzt: „Langfristig brauchen wir eine noch größere nationale Personalbasis. In einer echten Krise dürfen wir uns nicht überraschen lassen, sondern müssen vorbereitet sein.“
Der VDR schlägt vor, den Seedienst im Bereich der Handelsschifffahrt im Rahmen des neuen Wehrdienstes anzubieten. Ziel sei es, ein ziviles Seereservat einzurichten, dessen Mitglieder in Notfällen nach ihrem Dienst zur Aufrechterhaltung der Seeversorgung beitragen und einen Einstiegspunkt für die Schifffahrtsindustrie bieten könnten. Sie weisen darauf hin, dass die Studierenden an Bord praktische Erfahrungen sammeln und Ausbildungsabschlüsse erwerben würden, die auf eine weiterführende Berufsausbildung angerechnet werden könnten.
„Der Seedienst wäre eine zivile Option im Rahmen des Militärdienstes und würde gleichzeitig zur Weiterentwicklung der für die Versorgung und Schifffahrt Deutschlands unverzichtbaren maritimen Kompetenz beitragen“, fordert der VDR.
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Der Verband weist darauf hin, dass aktive Matrosen bis zur Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 aufgrund der wesentlichen Art ihrer Arbeit vom Militärdienst zurückgestellt werden konnten. Der VDR schlägt vor, bei einer künftigen Wiedereinführung der Wehrpflicht den Seedienst als zivile Alternative in der Handelsmarine abzuleisten.
Dies ist ein einzigartiger Ansatz, während andere Länder nach anderen Mitteln suchen, um ihre Handelsmarine zu verbessern. Australien hat ein Regierungsprogramm zum Aufbau einer nationalen Flotte vorgeschlagen, während die Trump-Regierung einen umfassenden Plan zum Wiederaufbau des amerikanischen Schiffbaus und der Handelsschifffahrt vorgeschlagen hat, unter anderem durch die Besteuerung ausländischer Schiffe und die Verpflichtung, einen Teil der amerikanischen Waren auf Schiffen unter amerikanischer Flagge zu transportieren. Der Plan sieht auch Investitionen in Ausbildungsprogramme vor. Japan hingegen treibt die autonome Schifffahrt für seine inländischen Schifffahrtsbetriebe voran, um der alternden und schrumpfenden Seefahrerbevölkerung entgegenzuwirken.